Kleingartenverein Hermanshöh' e.V.
Kleingartenverein Hermanshöh' e.V.

Ein schöner Sommertag im Kleingarten
Erlebt (?) und aufgeschrieben von Norbert Wiedemann

Seid Tagen nehme ich mir vor einige Latten der Gartenpforte auszutauschen und die Scharniere zu fetten. Schon lange störte es mich, dass mein Betreten des Gartens von einem herzzerreißenden Quietschen angekündigt wird.
Normalerweise ist dies keine weltumspannende Angelegenheit, nur wenn Nachbar Udo beinahe seine Bierflasche fallen lässt, der linke Nachbar Ralf sich fast jedes Mal beim Schuppenbretter annageln auf den Finger schlägt, die Kinder von gegenüber verschreckt in die Arme ihrer Mutter laufen und 200 Meter am Ende des Weges Gartenfreund Wolfgang herüberruft: „Hallo Norbert, grüß dich, haste jetzt Feierabend?“, dann ist es an der Zeit, Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Ein herrlicher Sommertag mit blauem Himmel und leichtem Wind, nicht zu heiß, wie geschaffen zur Gartenarbeit.
Ich strampele halb auf dem Rad liegend den Gartenweg entlang. Die Gegenüberkinder sind schon mal nicht da und Ralfs Auto, (der mit den Schuppenbrettern und den blauen Fingernägeln) habe ich auf dem Parkplatz nicht entdeckt. Udos Auto war auch nicht zu sehen, also könnte ich vielleicht ungehindert den Garten betreten.
Schlüssel ins Schloss, Tür auf mit ohrenbetäubenden Kreischen und nebenan…….höre ich einen tiefen Seufzer.
Frieda, Udos Schwiegermutter, hatte sich einen vollen Eimer Kartoffeln vor Schreck auf die Füße gestellt. Mit Frieda hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet!
„Hallo Norbert, grüß dich, haste jetzt Feierabend?“ tönte es fröhlich fünf Gärten weiter. „Ja, ja“, knurrte ich nur und ging erst einmal zu meiner Goldmutti Frieda. Sie hatte mich mal vor Jahren aus einer launigen Situation heraus ihren „Goldjungen“ genannt und seitdem ist sie für mich die „Goldmutti.“ „Mensch, hast du mich erschreckt! Quietscht dein Fahrrad so, oder was?“ war die freundliche Begrüßung.
Nach einem klärenden Gespräch war die Angelegenheit abgetan. Wir versicherten uns gegenseitig, dass es heute wirklich ein schöner Sommertag ist und wie geschaffen dafür, sich im Garten aufzuhalten.
Ich begab mich nun wieder in den eignen Garten, um wie immer erst einmal eine Runde zu drehen. Der Trompetenbaumtopf lag umgekippt vom vergangenen nächtlichen Gewittersturm, meine Meisenfreunde warteten schon ungeduldig auf ein paar Körnchen und auf dem Komposthaufen fehlte die am Genickschlag verstorbene Maus vom Tag vorher.
„Hat eine Krähe mal wieder ein schönes Abendessen gehabt“, dachte ich so und kurvte um die Hausecke. „Ach, Herr Nachbar ist ja auch da“, hörte ich hinter meinem Rücken. Vor meinem geistigen Auge tauchte eine männliche Gestalt mit einem Strohhut und Latzhose bekleidet auf.


Ich drehte mich um und stellte fest, dass mein geistiges Auge mich nicht veräppelt hatte. Meinem Gemüt entsprechend blickte ich der schon oft gestellten Frage gelassen entgegen: „Äääh, was ich dich noch mal fragen wollte…….“ Es folgten ausholende Erklärungen und Fragen über z. Z. laufende bzw. künftige Bauvorhaben.
Während ich mich aufmerksam mit halbem Ohr an diesem Gespräch beteiligte, ortete ich Kinderstimmen aus dem Garten hinter uns.
Nachbarin Sabine mit ihren beiden Kindern Hannes und Thobi bevölkerten das Gartengrundstück. Die Gartenpforte war noch nicht ganz zu, da hatten die beiden Teufel schon die Hosen in den Kniekehlen hängen. Während Mutter Sabine die Kleinen vergatterte, erst nach ihrer Zustimmung das Planschbecken in Beschlag zu nehmen, rechnete ich mit einer Gesprächsunterbrechung. Und richtig, tatsächlich stand ein strahlender Hannes am Zaun und musste mir unbedingt eine total gefährliche Nacktschnecke, gefangen in einem Marmeladenglas, vorführen. Diese höchst wichtige und aufregende Nachricht war für mich Anlass genug, das Gespräch mit „Schuppenralf“ zu unterbrechen.
Anmerkung am Rande: Der Spitzname „Schuppenralf“ bezieht sich nicht auf seine abgestorbenen Kopfhautpartikel, sondern auf den inzwischen zwei Monate andauernden Bau eines Holzschuppens mit den umwerfenden Maßen 1.5 x 2 x 2 m.
Die Bewunderung über die unter schwierigen Umständen eingefangene Schnecke wurde durch den Erlebnisbericht von Nachbarin Sabine leicht unterbrochen.
Nachdem ich über vergangene und eventuell kommende Kinderkrankheiten, über die neueste Verfehlung der Oma und die noch immer nicht reparierte Wasserzufuhr des Spülklos informiert war, endete der Bericht mit der Frage, ob, wenn ich einmal Zeit hätte, den Stecker vom Rasenmäher überprüfen könnte. Nach dem schlauen Satz: „Was du heute kannst besorgen……….“, machte ich mich ans Werk.
Während der Reparaturarbeiten überlegte ich angestrengt, weshalb ich eigentlich in den Garten gefahren war. Ich kam einfach nicht mehr drauf!
Außerdem kam mir wieder die schon lange gereifte Idee in den Kopf, mir eine Fahne mit der Aufschrift: „Ich bin nicht da!“ zu nähen, um sie dann an Tagen wie diesem vorher am Mast zu hissen.
Der Wackelkontakt war nach kurzer Zeit behoben und Nachbarin Sabine konnte wieder Rasen mähen. In der Zwischenzeit war auch Marlis eingetroffen, der Kaffee lief schon durch den Filter und somit wurde eine wohlverdiente Ruhepause eingeläutet.
Kurz nach der Vernichtung des dritten Kuchenstückes stellte sich Udos Frau Ilona ein. Wie so oft an solchen herrlichen Sommertagen saßen wir dann gemeinsam am Kaffeetisch und unterrichteten uns über die aktuellsten Nichtig- und Neuigkeiten.
Wir amüsierten uns über die Kindergespräche von nebenan, freuten uns über das schöne Wetter und stellten zum wiederholten Male fest, dass es uns doch ziemlich gut ginge.

Der Gedankenaustausch wurde lediglich von Frau S. unterbrochen, die uns stolz die 12. Zucchini in dieser Saison überreichte und uns selbstverständlich noch weitere dieser geschmacklosen Keulen in Aussicht stellte.
Unsere inzwischen an die drei Stunden andauernde Kaffeerunde ging nahtlos in einen Grillspätnachmittag über, der von weiteren Gartenfreunden personell unterstützt wurde. In kurzer Zeit wurde das Kaffeegeschirr abgeräumt und sämtliche Utensilien, die zu einem Grillnachmittag beitragen können, standen auf dem Tisch. Udos weltweit gerühmten Rippchen, einige im Gefrierfach längst verschollene und wiederentdeckte Nackensteaks und die Bratwürste vom letzten Grillabend schwitzten ihrer Bestimmung entgegen.
Unsere spontane Zusammenkunft wurde wie immer durch Absingen des eigens dafür getextetes Gartenliedes und der wiederholten Erkenntnis, dass es uns doch wirklich gut ginge, abgerundet.
Vergessen waren Zucchini, Schuppenralf, Wackelkontakt und Kartoffeleimer.
Als sich die Sonne schon lange hinter den naheliegenden Wohnhäusern zu Ruhe begeben hatte, lösten wir unsere Grilltafel auf. Schnell waren alle Gerätschaften wieder verstaut, die Fahrräder zu Heimfahrt bepackt und los ging es.
Als ich die Räder aus dem Garten auf den Weg schob, kreischte die Pforte auf!
„Deine Scheißscharniere kannst du aber auch mal bald ölen, das Geräusch weckt ja Tote auf. Ich habe mich eben schon wieder auf den Finger gekloppt“, rief Schuppenralf von nebenan.

Ach ja! Das war es also, was ich vergessen hatte!

KGV-Hermannshöh' e.V.

Am Lehmanger55                                           38120 Braunschweig                                                     Notfallnummern sind in den Schaukästen.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Kleingartenverein