Kleingartenverein Hermanshöh' e.V.
Kleingartenverein Hermanshöh' e.V.
Sommer 2020 im Kleingarten
von Norbert Wiedemann
Meistens einen Tag vor meinem Geburtstag lasse ich meine Erlebnisse der letzten Wochen und Monate Revue passieren. Obwohl dieser Sommer nun zu diesem Zeitpunkt gerade mal etwa vier Wochen alt ist, hat er schon alle Rekorde in meiner Erinnerung geschlagen. Gefühlt zwei Monate hat es jetzt nicht geregnet Gerade mal einige Tropfen in einer Nacht, die sich nach dem Auftreffen auf die Erde sofort in Wasserdampf aufgelöst haben, war nichts, aber auch gar nichts von oben zu erwarten. Zurzeit wandern einige dunkle Wolken an unserem Gartengelände vorbei. Außer dicke Backen in Form von einem noch nicht einmal bedrohlichem Grummeln, geschweige denn ein paar Tropfen vom Himmel hat der Wettergott nichts zu bieten. Also brüten wir weiter vor uns hin.
Wohl dem, der einen Brunnen hat. Somit reduzieren sich die Kosten auf ein Beachtliches, denn Wasser ist im Garten teurer als Strom. Tag für Tag werden die Regentonnen mit Brunnenwasser aufgefüllt, damit die mühsam gehegten Pflanzen eine Überlebenschance haben. Insgeheim hatte ich schon überlegt, ob ich die Regentonnen nicht auf Brunnentonnen umtaufe. Und außerdem hat mein Brunnenwasserzähler schon die dreifache Menge vom Leitungswasserverbrauch angezeigt, obwohl der Sommer noch nicht vorbei ist.
Der regelmäßig jeden Abend gesprengte Rasen denkt nicht im Traum daran wieder etwas grün zu werden. Lediglich unsere Gurken im Hochbeet finden dieses Wetter phänomenal. Beim abendlichen Gießen wird der Gurkenblätterwald nach neuen Früchten abgesucht, meistens ohne Erfolg. Am folgenden morgendlichen Gießgang entdecken wir oft ca. 20 cm lange und manchmal auch größere Gurken. Wachsen Gurken unbeobachtet in der Nacht? Warten sie mit dem Wachstum darauf, bis wir weg sind? Gehören sie zu den Nachtschattengewächsen?
Der Plan, an diesem Sonntag mal meine Gedanken über den trockenen Sommer aufzuschreiben, hat wohl offenbar unseren scheinbar im Urlaub gewesenen Wettergott beflügelt, da oben mal den Hahn aufzudrehen. Es schüttet zurzeit wie aus Eimern.
Meinem jahrelangen Hobby, ungeliebte Wühlmäuse mit Fallen zu fangen, konnte ich bis jetzt noch nicht nachgehen. Kein einziges Loch, kein einziger Wühlgang war bis jetzt zu entdecken. Ist es den oft beinahe rattengroßen Nagern unter Tage auch zu warm geworden und sind sie deshalb ausgewandert? Mir soll es egal sein, ich habe jetzt mein Augenmerk auf andere Feinde im Garten gerichtet, denn man lieber Nachbar Udo meinte sehr treffend: „Du brauchst einen Feind im Garten, denn sonst wird es dir langweilig“.
Meine neuen Feinde im Kleingarten sind schwarz, haben einen langen kräftigen Schnabel, können fliegen und heißen Krähen.
Von Krähen muss man wissen, dass das im Frühjahr großgewordene sog. Jungvolk, die noch keinen Partner gefunden haben, in ungezählten Rotten auf der Suche nach Futter durch die Gegend streifen, dabei von uneinsichtigen Menschen von Balkonen aus auch noch gefüttert werden und somit auch an Mülleimern von Parkplätzen, Schulhöfen und offen gelassenen Müllcontainern ihr geregeltes Auskommen haben. Die Nahrungssuche geht natürlich mit ihrem angeborenen Spieltrieb und ihrer Neugierde gegenüber allem Neuen einher. Was zur Folge hat, dass ausgewachsene Zucchini sinnlos zerhackt und zerfleddert und aufgestellte Dekorationen im Garten verschleppt oder zerstört werden. Frisch gepflanztes Gemüse wird herausgerissen, handtellergroße Dachpappenstücke vom Dach gehebelt und Stoffdächer von Pavillons und Poolabdeckungen durchlöchert. Die deutlich sichtbaren Hinterlassenschaften ihrer Darmtätigkeit sind nicht zu übersehen und ebenfalls ein weiteres Ärgernis. Vom Frühsommer bis Ende Juli sitzen also die schwarzen Luder in der Nähe unserer Kleingärten auf den nahen Bäumen der Umgebung, haben somit alles im Blick und stürzen sich, sobald wir unseren Garten verlassen haben in die Lüfte und dann in unsere Gärten. Nun haben sie freie Bahn und können ungehindert ihren vorhin beschriebenen Unsinn veranstalten. Nachdem ich mich einige Abende auf die Lauer gelegt hatte und ihnen mit meinem meterlangen Pusterohr und Fensterkittkugeln auf den Pelz, bzw. auf die Federn gerückt bin, konnte ich einen leichten, aber nur einen leichten Rückgang der Schadensmeldungen verzeichnen. Das Krähenwarnsystem funktioniert so hervorragend, dass die Vögel, die gerade auf den nahen Bäumen Wache schieben mussten, sofort anfingen zu zetern, wenn ich mit meinem Pusterohr in Erscheinung trat. Eine neue Abwehrmaßnahme probierte ich mit einigem Erfolg aus. Ich lud mir das Geschrei eines ganzen Krähenschwarms aus dem Internet herunter und spielte diese Töne mit Hilfe eines Lautsprechers immer dann ab, wenn die schwarzen Teufel über den Garten flogen. Ich glaube, das hat sie einigermaßen verwirrt.
Da mit der Zunahme des Krähenvolks die hörbaren Singvögel merklich abnehmen, hatte ich mir gleichzeitig mit dem Krähengeschrei noch Vogelgezwitscher heruntergeladen. Mit Hilfe dieser Technik hatten wir wenigstens das Gefühl, dass alles so wie früher ist.
Allein die wochenlang herrschende Hitze schien auch den Krähen zuzusetzen. Urplötzlich waren sie nicht mehr zu sehen. Lediglich abends konnten wir einen riesigen Schwarm über unseren Garten in Richtung Schlafplätze fliegen sehen.
„Jetzt hat es gewirkt“ dachte ich so, bis ich eines Tages auf der nahen Landstraße durch die abgeernteten Felder fuhr. Dort saßen meine gefiederten Feinde und schlugen sich den ganzen Tag mit Resten der Getreidekörner den Bauch voll.
Mittlerweile ist es Anfang August. Kein Tropfen vom Himmel, der Rasen wird trotz abendlichem Gießen immer gelber, ein Heidelbeerbusch ist vertrocknet. Beim Betreten des Gartens hört man förmlich die durstenden Schreie unserer Pflanzen. Allein unsere Gurken kümmert die Hitzewelle nicht die Bohne, immer noch jeden Morgen vier bis fünf Gurkenmonster im Hochbeet. Ich habe gerade die Hälfte der Pflanzen herausgerissen, ich kann keine Gurken mehr sehen, geschweige denn essen. Die Nachbarn mögen auch keine mehr. Im Gegenteil bekomme ich öfter Angebote, diese freundlichen Nachbarn von einigen geschmacklosen Keulen namens Zucchini zu befreien.
Bei dieser ungewöhnlichen Hitze, die dieses Jahr schon einmal die 36° Marke erreicht hat, frage ich mich, warum manche Leute unbedingt noch in südlichen Gefilden Urlaub machen müssen. Verbrannte Füße, Waldbrände, vertrocknete Bäume, Sonnenbrand und selbst kollabierte Kühlschränke und Klimaanlagen haben wir hier auch. Vom Durst  und einem kuschelig warmen Bett, wie man es sich im Winter wünscht, ganz zu schweigen. Selbst mein Föhn hat seinen Dienst auf Dauer eingestellt. Offenbar war er der Meinung, bei der übermäßigen Hitze wäre seine Warmluft  nicht mehr erwünscht.
Ach was bin ich froh, einen supernetten Gartennachbarn zu haben, der im öffentlichen Dienst beschäftigt ist. Genauer gesagt ist er Bademeister von Beruf und kümmert sich rührend um die Wasserqualität unseres gemeinsamen Swimmingpools. Allerdings vermute ich, dass bei seinen Bemühungen erhebliches Eigeninteresse besteht.

Übrigens habe ich dieses Jahr feststellen können, dass sich eine ungezählte Zahl von Ringeltauben stark für die Beeren meines Felsenbirnenstrauches interessierten. Das ist für mich insofern ärgerlich, weil ich aus dem Internet erfahren konnte, dass man aus diesen Beeren einen leckeren Likör herstellen kann. Somit hatte ich dieses Jahr einen weiteren Feind im Garten mit dem Namen Ringeltaube! Es reichte nicht, dass wir (die Ringeltauben und ich) ein gemeinsames Interesse an den leckeren Beeren hatten, sondern auch die etwas eintönigen Rufe dieser Vögel  nervten noch dazu. Außer „Kru kruu“ war von ihnen nichts zu hören. Vielleicht können sich Wissenschaftler und Naturforscher mal überlegen, wie man diesen und anderen Vögeln eine andere „Sprache“ beibringen kann. Eine Krähe, die wie ein Buchfink zwitschert oder eine Ringeltaube, die aus vollem Halse wie eine Feldlerche tiriliert. Das wäre doch mal was!  

KGV-Hermannshöh' e.V.

Am Lehmanger55                                           38120 Braunschweig                                                     Notfallnummern sind in den Schaukästen.

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