Kleingartenverein Hermanshöh' e.V.
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Kleingarten, die Erste, von Norbert Wiedemann

Meine Mutter erzählte oft bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten von meiner angeblichen penetranten Hartnäckigkeit und dem damit verbundenen Dickkopf. „Wenn Norbert im Sommer seinen Schlitten haben wollte, hat er solange genörgelt, bis wir ihn vom Dachboden geholt haben.“ Ich kann mich an diese Begebenheiten überhaupt nicht erinnern und bin der festen Überzeugung, dass das nur so daher gesagt wurde, um den Unterhaltungswert beim sonntäglichen Kaffeetrinken steigern zu können. Marlis hingegen pflichtete in diesem Punkt immer bei und ergänzt dann dieses Märchen gerne mit einem anderen Beispiel: Mein angeblicher Sturkopf hat uns nämlich im Oktober 1983 einen Kleingarten beschert. Da ich eine solche Kleinidylle von meinen Großeltern her kannte, meine Eltern in der Südstadt hinter dem Haus ebenfalls einen schlauchähnlichen kleinen Garten hatten, lag der Wunsch für ein eigenes Stück Scholle nahe. Jetzt waren 400 qm mit einem kleinen Steinhäuschen und 13 uralten Obstbäumen unser.

Die anfängliche Skepsis bei Marlis wandelte sich schnell in verhaltene Begeisterung um, während sich unsere Rauhaardackeldame „Suse“ schon am ersten Gartentag mit ihrem neuen Revier angefreundet hatte. Schnell bekamen wir Kontakt mit unseren Nachbarn.

Es gab immer die eine oder andere Frage, man hatte sich viel zu berichten, kurz gesagt: Alles war gut. Unser direkter linker Nachbar, Herr W., entpuppte sich allerdings in kürzester Zeit als übler Gartengenosse.

Als gelernter Maurer und nun im Ruhestand prahlte er bei jeder sich bietenden Gelegenheit, wie toll und fachmännisch er sein Gartenhaus gebaut hatte. Als ich nun im Frühjahr des folgenden Jahres damit begann, eine Terrassenmauer an unser Häuschen zu bauen, beobachtete er mit Argwohn meine Maurerkünste. Nach einigen Tagen musste er feststellen, dass auch ungelernte Menschen etwas Vernünftiges zu Stande bringen können. Meine Handwerkskünste kommentierte er mit einem fiesen Unterton: „Der Herr Wiedemann kann aber auch alles.“ Vielleich war es ein Fehler von mir, dass ich ihn nicht um Rat gefragt hatte. Übrigens steht mein Terrassenanbau nach über 30 Jahren immer noch! Eines Tages kam ich in unseren Garten und sah Nachbar W. an seinem, unserem Grenzzaun stehen. Bewaffnet mit Farbtopf und Pinsel versuchte er dem damals nicht mit Kunststoff ummantelten Spanndraht samt Maschendraht einen neuen Schutzanstrich zu verpassen. Sparsamkeit lässt grüßen! Diese Sisyphusarbeit konnte ich nur mit einem Kopfschütteln und einem freundlichen Grinsen kommentieren. Meine Reaktion nahm er sofort zum Anlass, um sich über unseren völlig schuld – und ahnungslosen Dackel aufzuregen. „Passen sie bloß auf ihren Hund auf. Der jagt mir die ganzen Mäuse in meinen Garten. Das geht nicht mehr so weiter!“ Darauf konnte ich nur antworten: „Das machen nun mal ausgebildete Jagdhunde!“ (Anmerkung: Unser Dackel war nicht ausgebildet, höchstens eingebildet und hörte in den meisten Fällen nur auf Fressnapfklappern).

Darauf gab es für Außenstehende einen sicherlich unterhaltsamen lauten Wortwechsel zwischen uns am Gartenzaun. Im Endergebnis wollte mir Herr W. eine Harke über den Kopf hauen.

Mein aus – und eingebildeter Jagddackel knurrte und fletschte die Zähne und Marlis war auch nicht da. Als ich dann meine Gesprächspartner über meinen am Anfang der Geschichte beschriebenen Dickschädel informierte, ließ er von seinem Vorhaben ab. Ob er nun Angst vor unserem Dackel hatte oder er befürchten musste, dass sein Harkenstiel auf meine Kopf zerbricht, habe ich leider nicht in Erfahrung bringen können.

Als ich dann einige Wochen später ein auf dem Flohmarkt erworbenes Rehbockgehörn unter Herrn W’s argwöhnischen Blicken an den Hausgiebel schraubte, konnte er nicht mehr an sich halten: „Wo haben sie denn das Geweih her“, wollte er wissen. „Bei diesem Geweih handelt es sich um ein Rehbockgehörn und um diesen zu erlegen, war mir mein Dackel sehr nützlich!“

Sein Mund stand eine Weile offen. Am nächsten Tag schnappte ich mir eine alte Gewehrtasche aus meiner Sportschützenzeit, versenkte darin einige zurechtgesägte Zaunlatten und ging in den Garten. Herr W. beäugte wie immer mein Kommen mit Argwohn und fragte: „Na, wollen sie jetzt Karnickel schießen?“ „Nö, nur Gewehr reinigen, zu Hause ist das immer so eine Sauerei. Und dann werde ich mich heute im Garten auf die Lauer legen, um Einbrecher zu verjagen.“

Der absolute Höhepunkt unserer Gegenwehr gegenüber diesem äußerst unangenehmen Gartenzeitgenossen folgte noch im gleichen Jahr. Bei unseren regelmäßigen Flohmarktbesuchen ergatterten wir eines Tage auch eine alte Schwengelpumpe, montiert auf einem dicken Steinsockel. Das nostalgische Ding war zur Dekoration gedacht. Bei näherer Betrachtung dieser Neuanschaffung entdeckte ich an der Pumpenrückseite einen Anschluss für einen Wasserschlauch. Da kam mir die Idee! Der Anschluss wurde mit einem Stück Schlauch versehen, der dann in einem vollen Wassereimer hing. Mein Plan funktionierte:

Bei Betätigung der Handpumpe wurde das Wasser aus dem Eimer angesaugt und sprudelte munter vorne wieder heraus! Nun hieß es nur noch auf den richtigen Einsatz zu warten! Bevor sich unser Gartenfiesling auf den Heimweg machte, füllte er nämlich mit seiner Schwengelpumpe sämtliche Kannen und Eimer für den nächsten Tag. Mit einem triumphierenden Seitenblick prahlte er dann immer, dass er ja kein Wassergeld bezahlen müsste, er hätte ja das kostenlose Brunnenwasser. Unsere Pseudopumpe hatte ich vorher für ihn unbemerkt in unserem Garten so aufgebaut, dass er sie bei seiner abendlichen Pumpaktion unweigerlich entdecken musste

. Also, Herr W. fing an zu pumpen, ich stellte mich daraufhin an unserer Pumpe auf und rief: „ Marlis komm schnell, ich probiere jetzt unsere Pumpe aus.“ Marlis flitzte mit einer Gießkanne um die Ecke, hielt sie unter den Auslauf und ich fing an den Schwengel zu betätigen. Die Kanne wurde voll und wir beide riefen laut: „ Na jetzt brauchen wir auch kein Wassergeld mehr zu bezahlen!“ Nun war endlich Ruhe! Kein Genörgele und giftigen Seitenhiebe mehr und nachdem Marlis ihn dann auch noch mit nacktem Hinterteil bei der Darmentleerung an seinem Komposthaufen erwischt hatte, wurde es dann noch ruhiger.

KGV-Hermannshöh' e.V.

Am Lehmanger55                                           38120 Braunschweig                                                     Notfallnummern sind in den Schaukästen.

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